Dr. phil. Milena Rampoldi: Shajarat ad-Durr von Mahmud Badawy. Die erste weibliche Herrscherin im Islam – Eine Tragödie in fünf Akten

 

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In diesem Text möchte ProMosaik e.V. die angepasste und kommentierte deutsche Übersetzung einer außerordentlichen Tragödie über den politischen Werdegang, die Intrigen und das Schicksal der, wie sie der ägyptische Schriftsteller Mahmud Badawy nennt, „ersten weiblichen Herrscherin im Islam“, vorstellen. Die Herrscherin Shajarat ad-Durr haben wir bereits im Buch von Frau Dr. Rampoldi Das Beispiel von Shajarat ad-Durr: Philosophische Betrachtungen zu Frau und Politik im Islam auf der Grundlage der Werke von Bahriye Üçok und Jamal Badawi präsentiert.

 

Die Übersetzerin findet Mahmud Badawys Werk sehr wichtig, weil es an der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaften, Philo-sophie und Geschichte die Möglichkeit bietet, dem aristotelischen Ideal der Tragödie gerecht zu werden und gleichzeitig auch dem interkulturellen Dialog und dem islamischen Feminismus in Einem zu dienen.

Hierzu ein Zitat aus der Poetik von Aristoteles:

„Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden. Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer (eleos) und Schaudern (phobos) hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt. “

Hierzu schreibt Dr. Rampoldi:

„Ich finde, dass die Tragödie die geeignete literarische Form ist, um auch solche politische und biografische Themen zu verarbeiten. Es kommt darin treffend zum Ausdruck, dass die Frau im Islam sehr wohl auf eine Geschichte mutiger und intelligenter Frauen zurückblicken kann, die auch über muslimische Länder herrschten“.

Die Handlung spielt in der Zeit der Kreuzzüge in der Übergangszeit zwischen der Dynastie der Ayyubiden und Mamluken in Ägypten. Als Sklavin und dann Ehefrau des ayyubidischen Herrschers al-Salih Ayyub schaffte Shajarat ad-Durr nach dem Tode ihres Ehemanns den Sprung auf die politische Bühne der weltlichen Macht. Sie wird aber sehr bald vom Kalifen, der einen Brief sendete, in dem er sich gegen die Führung des Staates durch eine Frau aussprach, zur Abdankung aufgefordert.

Ohne den Inhalt der fünf Akten vorwegzunehmen, anbei ein Ausschnitt aus der Tragödie:

Bote des Kalifen: (Er öffnet den Brief und liest) Im Namen Allahs, dem Barmherzigen, dem Allerbarmer, bei ihm suchen wir nach Zuflucht. Dieser Brief stammt von Abu Ahmed Abdullah Al-Mustasim-Billah bin Al-Mustansir-Billah, dem abbasidischen Prinzen der Gläubigen in Bagdad und ist an die Prinzen und Ministerien Ägyptens, und insbesondere an sein Volk, gerichtet. Der Friede und die Barmherzigkeit Allahs seien mit euch.

Viele Stimmen: Der Friede und die Barmherzigkeit und der Segen Allahs seien mit euch.

Bote des Kalifen: Wir vernahmen die Nachricht eures Sieges über den Feind der islamischen Religion; deshalb priesen wir Allah, der seine Religion durch euch ehrte und Ägypten aus den Händen unserer Feinde befreite. Dennoch kamen Boten zu uns mit Nachrichten, in denen es unter anderem darum ging, dass ihr eure Angelegenheiten Shajarat Ad-Dur anvertraut habt, der Witwe von König Al-Salih, möge Allah ihn segnen. Darüber waren wir bestürzt, da es im Islam eine unerhörte Tat darstellt, einer Frau die königliche Herrschaft zu übertragen. Außerdem möchten wir euch gerne befragen, da es das Recht der Muslime ist, jemanden zu ernennen, der fähig ist, die Bürde der Herrschaft zu tragen. Falls ihr über keine Männer mehr verfügt, die geeignet wären, die Herrschaft zu übernehmen, werden wir jemand geeignetes zu euch schicken. Der Gesandte Allahs (die Gebete und der Frieden Allahs seien mit ihm) sprach: „Die Völker, die ihre Angelegenheiten einer Frau anvertrauen, werden nicht gedeihen“. Und Friede sei mit denen, die den rechten Weg gehen.

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Dankend

Dr. phil. Milena Rampoldi von ProMosaik e.V.

 

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Die Welt ist ein großes Mosaik voller Farben, das aus verschiedenen Steinchen zusammengesetzt ist, die durch interkulturelle und interreligiöse Brücken miteinander verbunden sind.